Sonntag, 8. August 2010

Las Vegas - Teil 2 (15)







Fotos von oben nach unten: (1 - 3) The Venetian - zweimal innen!, einmal von aussen, (4) Sirens of the Treasure Island, (5) Die grosse Leinwand über der Fremont Street

FTI Rundreise USA Grandioser Westen
( http://www.fti.de/e_kataloge/virtueller_katalog.html?cid=8269 )

Der nächste Morgen bringt uns ein riesiges Frühstücksbuffet im Hotel mit jeder Menge Fleisch, Würstchen, Eier, gebratenen Kartoffeln und üppiger Patisserie. Nur eines suche ich vergebens: Frisches Brot gibt es hier abgesehen von sogenannten Croissants keines. Der Kellner ist geradezu irritiert von der Frage danach und verweist auf die Muffins. Versteht sich dann auch fast zwangsläufig, dass es auch kein Schinken- oder Käse-Angebot gibt.

Irgendwie werde ich dennoch satt; meine Frau vergisst den Sweater (wird gegen 5 $ später wieder aufgefunden), Mias Brille ist gegen 5 $ Postannahmeentgelt abholbereit und wir lösen unser Versprechen gegenüber den Kindern ein (für 5 $ Bearbeitungsgebühr) und programmieren das Navigationsgerät auf Einkaufen.

Das Las Vegas Outlet Center bietet tatsächlich niedrige Preise und die Kinder erstehen in einer furiosen Mischung aus Unglauben und Begeisterung Converse um 20 $ je Paar. Die Rechnung macht dann 120 $ aus, denn dann spart man gleich viel mehr und Band-Logos sind auch noch drauf. Auch meine Frau ersteht eine Hose des bayerischen Emigranten Levi Strauss, die dank der riesigen Auswahl sehr gut passt (die Fragebatterie ist ähnlich wie bei Starbucks: Straight oder Bootcut, auf der Hüfte oder Taille, Länge 29 oder 30, Grösse 6 oder 8 – „Honey, you are not a Ten“ meint die 20jährige Verkäuferin). Mit 55 $ liegt diese trotz der fachkundigen Beratung trotzdem deutlich unter unserem Preisniveau. Ein Supermarkt in der Nähe versorgt uns noch mit dem gewohnten 24er-Pack an Mineralwasserflaschen, nach denen die Familie hier ziemlichen Bedarf zeigt.

Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel fahren wir wieder an den Strip und betreten das Venetian, das ebenso wie das Paris am Vorabend einen künstlichen Himmel aufgemalt hat. Ein Kanal führt an den Hotelgeschäften vorbei, auf dem Gondeln - natürlich mit singenden Gondolieri – verkehren. Bizarr ist wohl das passende Wort für diese Stadt.

Von soviel künstlichem Italien benebelt beschliessen meine Damen, ein Gelato zu konsumieren. 5,50 $ je Kugel, dafür schmeckt es nicht besonders. Wir gehen weiter zum Mirage, um zu sehen, welche künstlichen Wunder dort geboten werden. Das Delfinarium würde allerdings 15 $ pro Person kosten und so verlegen wir uns auf die kostenlosen Schauspiele auf der Strassenseite. Der simulierte Vulkanausbruch beim Mirage ist matt und jede bessere Rockband hat eindrucksvollere Pyrotechnik zu bieten. Auch das Kurz-Musical „Sirens of the Treasure Island – vor dem – no na – Treasure Island beeindruckt nicht einmal die Kinder.

Wir fahren weiter zur Fremont Street, wo das Glückspiel in Vegas begann. Es erscheint dort aber alles klein und billig – bis auf der Kuppelgalerie, die zur riesigen Videoleinwand umfunktioniert wurde, statt Werbung plötzlich laut ein eigens für dieses Format kreierter Queen-Videospot gezeigt wird. Da die volle Länge von etwa 100 Metern für ein zusammenhängendes Bild genutzt und der Rest in der Galerie abgedunkelt wird, beeindruckt uns das Spektakel doch noch. We will rock you!

Samstag, 7. August 2010

Las Vegas Tag 1 (14)






Fotos von oben nach unten: Hotels in Las Vegas (1) Caesar´s Palace, (2) Bellagio, (3) Paris, (4) The Orleans - die Unterkunft auf der FTI-Rundreise Grandioser Westen

Der Weg nach Las Vegas ist dann zumindest kurz. Unser Hotel – das Orleans ( http://www.orleanscasino.com ) – liegt nicht am Las Vegas Boulevard – dem sogenannten Strip -, sondern etwa 2 Meilen entfernt, ist aber ebenso ein riesiges Casino-Hotel. Schon auf dem Weg zur schwer auffindbaren Rezeption müssen wir an Dutzenden, vielleicht sogar Hunderten Spielautomaten vorbei.

Auch in allen anderen Hotels später zeigt sich das gleiche Ambiente: Kein Tageslicht, sondern 24 Stunden gleichbleibendes künstliches Dämmerlicht, laute Klangmischung aus Musik und Spielautomaten, Zigaretten- und Zigarrenrauch (ja, hier darf man dann plötzlich rauchen, wenn es um Big Biz geht) und leicht bekleidete Frauen, die Drinks servieren. Dazu das Angebot, für 25 Dollar 24 Stunden lang alle Hotelbuffets leer zu essen. Alles, damit der Spieler möglichst nicht das Hotel verlässt und sein Zeitgefühl verliert. Und das tun offensichtlich viele. Der Gesichtsausdruck ist starr auf den Automaten gerichtet, nur bei den Roulette- oder Black-Jack-Tischen lassen sich auch Emotionen in den Mienen erkennen. Für mich bleibt es rätselhaft, was Zehntausende Menschen pro Tag motivieren kann, sich dafür ins Flugzeug zu setzen.

Wir ziehen bald los, um die Hotels am Strip zu erkunden. Der Shuttle Bus bringt uns zum Caesar´s Palace und zum Bellagio. Ersteres zeigt uns keine paradierenden römischen Soldaten und schon gar keine Wagenrennen oder Colosseum-Spiele, sondern nur das gleiche triste Bild wie das Orleans. Das Bellagio wirkt mit seiner mediterranen Ästhetik etwas stilvoller und bietet uns dann vor dem Haus eine schöne Spingbrunnen-Choreographie.

In der Wüste wirken die riesigen Dekorations-Wasserflächen allerdings auch deplaziert und Las Vegas ist wohl das ultimative Indiz für die durchschnittliche Einstellung der US-Amerikaner zur Umwelt. Verschwenderischer wird vermutlich nirgends auf der Welt mit Ressourcen umgegangen. Alles leuchtet um die Wette und überall steht, fliesst und sprüht das Wasser, während das Thermometer über 40 Grad anzeigt und die Luftfeuchtigkeit bei 10 % liegt.

Nahezu erschöpft erkämpfen wir uns gerade noch einen Platz im Bus zurück und fallen ins Bett. Die 200.000 Spielautomaten in dieser Stadt werden jedoch nicht ruhen.

Zion National Park und Lake Mead (13)







Fotos von oben nach unten: (1) Die gefährdeten und gefährlichen Hörnchen, (2) Im Zion National Park, (3) Red Rock Park - schon wieder Sandsteine, (4) Lake Mead , (5) Hoover Dam

12.7. 17.00 Uhr, Las Vegas The Orleans

Die Farmer in Utah werden für ihren Glauben mit Regen belohnt, auch wenn es in Wahrheit heidnische Regenmacher aus der Alten Welt waren. Für uns bedeutet es allerdings, das ausgerechnet der Zion National Park (http://www.nps.gov/zion/index.htm ), in dem die Mormonen ihr Himmelstal zu erblicken glaubten, deutlich an Reiz und überirdischem Eindruck verliert. Bei mir kommt aber ohnehin der Verdacht auf, dass eine hübschere Klamm in den Alpen vergleichbare Attraktivität aufweist und es für die Amerikaner nur deshalb so interessant ist, da in dieser unfruchtbaren Gegend sonst nicht einmal ein ordentlicher Busch wachsen kann.

Wir gehen jedenfalls nur am Ende der Shuttle-Bus-Strecke vom Temple of Sinawava nach hinten, wo sich die Schlucht soweit verjüngt, dass man gegen Ende im Flussbett waten müsste.

Interessante Einblicke ergeben sich aber nicht nur in die Topographie, sondern auch in die Psyche der Amerikaner. Am Weg tummeln sich viele putzige Hörnchen, allerdings verbietet ein Schild das Füttern und droht 100 $ Strafe an. Der nette Zusatz darunter lautet: „Please report violation“. Blockwartmentalität im Land of the Free. Ganz so schlimm kommt es nicht, aber da unsere Kinder vom 20minütigen Marsch offensichtlich ausgehungert sind, wollen sie sich mit Studentenfutter einige Kalorien zurückholen und lassen dabei – natürlich völlig unabsichtlich – einige Nüsse fallen. Wir werden sofort kräftig gemassregelt und noch etliche Meter weiter vorne höre ich „Violation“ und „Rangers“-Wortfetzen. Wenn sie nur beim Abfüttern ihrer fetten Landsleute halb so konsequent wären wie bei den Hörnchen. Selbst bedenken einige Bürger von „God´s own Country“ ihre kleinen Nagetiergeschwister mit Wanderstockhieben und Tritten – allerdings sind diese glücklicherweise reaktionsschneller. Auch wenn die grossen plumpen Wesen vielleicht nicht an die Evolution glauben, das hat diese jedenfalls gut hingekriegt.

Wir fahren dann nach zwei Stunden weiter Richtung Las Vegas, nehmen aber ganz spontan kurz vorher die Abfahrt Richtung Lake Mead - dem durch den Hoover Dam aufgestauten See des Colorado Rivers. Der Weg führt über den Red Rock Park – zur Abwechslung rote Sandsteine in der Nachmittagssonne. Beim Aussteigen erschlägt uns fast die Hitze. Ich kann mich nicht erinnern, jemals solche Temperaturen erlebt zu haben und wähne mich mitten in einem überdimensionalen Fön.

Der Lake Mead ist dann enttäuschend, da kaum zu sehen. Wir fahren fast zwei Stunden über schlechte Strassen, bis wir den Hoover Dam erreichen, den zweithöchsten Staudamm der USA. Nun, wenn das ein amerikanisches Wahrzeichen ist, spielt Wasserkraft in den USA offensichtlich keine zentrale Rolle in der Energieversorgung. Dafür würde man in Österreich kaum den Blick wenden. Selbst Aussergewöhnliches ist offensichtlich relativ, denn manches meist Unbeachtete hier am Weg wäre bei uns eine Sehenswürdigkeit.

Donnerstag, 5. August 2010

Bryce Canyon (12)





Fotos von oben nach unten: (1) Am Weg bei Boulder, (2) und (3) Bryce Canyon

10.7.2010 21.45 Uhr, Bryce Canyon Village, Best Western Ruby´s Inn

Der Tag erfordert 450 km Autofahrt, morgen allerdings 480 km und dazu sieht FTI am Programm noch zwei Nationalparks vor. Wir versuchen daher den Bryce Canyon noch heute zu besichtigen.

Die Fahrt dorthin beginnt ereignislos, führt uns aber wieder einmal buchstäblich vor Augen, wie weit und dünn besiedelt dieses Land ist. Man fährt immer wieder 50 bis 70 Kilometer, ohne dass ein Ort existiert. Manchmal sieht man ein kleines Haus oder ein Mobile Home mit einem Schuppen und zwei, drei Autowracks davor, aber fast immer durchfährt man eine unberührte und weithin unfruchtbare Landschaft. Nur dort, wo bewässert werden kann, zeigen sich Merkmale der Zivilisation.

Schöner wird dann der Umweg über den Highway 12 – eine Panoramastrasse, die fast auf 3000 Meter Höhe führt. Leider fahren wir in ein heftiges Gewitter (wir haben immer noch keine Dankbekundungen von der Regierung in Arizona für all den Regen im Juli erhalten), doch vor allem der Escalante Stairway bietet eindrucksvolle Aussichten.

Glücklicherweise kommt kurz nach der Ankunft im kitschigen Ruby´s Inn mit Pseudo-Western-Athmosphäre und Rodeo-Show die Sonne hervor und wir können um etwa 15.00 Uhr in den gleich nebenan beginnenden Bryce Canyon ( http://www.bryce-canyon.de ) einfahren. Eigentlich handelt es sich nicht um einen Canyon, sondern um eine halbkreisförmige Klippe, von der aus man auf Formationen von Sandsteinsäulen herabsieht. Am besten beschreibt es wohl der Name, den die Indianer diesem Ort gegeben haben: Das Tal der roten Männer aus Stein, die in einer Schüssel stehen. Hugh!

Die Eindrücke veränden sich je nach Perspektive und Sonnenstand, doch leider erlauben die wieder aufziehenden Gewitterwolken nicht mehr, die roten Männer im Sonnenuntergang zu betrachten. Wobei man politisch korrekterweise erwähnen muss, dass auch gelbe Männer dabei sind. Aber die Chinesen zählten im Wilden Westen bekanntlich nie viel.

Zurück im Hotel realisieren wir, dass die Auswahl für das Abendessen eingeschränkt ist: Hotelrestaurant, Selbstverpflegung mit Mikrowelle oder 30 Kilometer-Autofahrt in den nächsten Ort. Die Kinder sind für den Groceries-Store und angesichts der beiden sauteuren und mässig guten Restaurants in den Nationalparks stimme ich zu. 3:1 also.

Die Kinder wählen Corny Dogs – ihnen bekannt aus der in den Nächten konsumierten TV-Werbung. Das sind Ungetümer von fetten Würstchen in einem süssen Maisteig, aber der Zeichentrickfigur im TV schmeckt das immer. Es gibt sie wie erwartet nur in der handlichen 24-Stück-Packung und knapp die Hälfte wird von 3,5 Familienmitgliedern (ich bringe nicht einmal einen halben Maishund hinunter) mit tatkräftiger Hilfe von Senf und Ketchup auch verzehrt. Fairerweise muss man aber anmerken, dass mein Tiefkühl-Hühnergericht auch nur etwas weniger eklig schmeckt. Dazu trinken 3,0 Familienmitglieder auch die bereits beliebte 0,95 Liter-Flasche Budweiser. Am Etikett entdecke ich, woraus das Zeug gebraut wird: Hopfen, Malz und – ja , genau – Reis natürlich. Bei uns dürfte man vermutlich nicht einmal Bier auf das Etikett schreiben.

Der Abend verläuft dennoch lustig, denn die Kinder entdecken Gideon´s Bible und ein Mormonenbuch im Nachtkästchen. So können wir Bibelzitate auf Dänisch oder Niederländisch vorlesen und Simona findet auf Anhieb ihre Lieblingsstelle auf Englisch, wo Lot gottgefällig dem Mob seine zwei Töchter zur Vergewaltigung anbietet, damit die Gäste des Hauses in Ruhe gelassen werden. When you are in Utah, do as the Utants do.

Zum Abschluss ein Blick auf den Weather Channel: Für Las Vegas werden morgen 106 Grad Fahrenheit vorausgesagt. Ich weiss nicht, wie viel das in Celsius bedeutet, aber es klingt ziemlich heiss. (Es sind 41,1 Grad).

Mittwoch, 4. August 2010

Moab und Arches National Park (11)






Fotos von oben nach unten: (1) und (2) Im Arches National Park, (3) Delicate Arch, (4) Skyline Arch

9.7. 18.30 Uhr Moab Aarchway Inn

Zwei Nächte in einem Hotel sind eine sehr willkommene Abwechslung. Es erlaubt banale Notwendigkeiten wie Wäsche waschen, nimmt aber auch den Zeitdruck beim Besichtigen. Was wir sofort leichtfertig verwendet haben.

Der Eingang zum Arches National Park ( www.nps.gov/arch/index.htm ) liegt nur wenige Kilometer vom Hotel entfernt und wir versuchen, den Autokolonnen ein wenig zu entfliehen, in dem wir gleich ans Ende mit dem grossen Felsbogen Skyline Arch fahren. Auf dem Weg zeigt die Familie bereits – positiv formuliert – eine gewisse Vertrautheit mit roten Sandsteinformationen.

Der grosse Felsbogen erinnert uns jedoch alle an die Szene mit Gandalf und dem Balrog aus dem Herrn der Ringe, was uns motiviert den „primitive trail“ zu zwei weiteren Bögen weiterzuwandern. Die Sonne scheint freundlich, die Temperatur klettert vermutlich stetig der 40-Grad-Marke entgegen und wir klettern ebenso stetig den „primitive trail“ hinauf.

Sukzessive dämmert uns, dass sich Wegweiser mit der US-Philosophie von naturbelassenen Nationalparks nicht vertragen dürften. Als Österreicher rufen wir unser genetisches Erbe ab und finden instinktiv unseren Weg – jedenfalls bis wir vor einem mindestens 30 Meter tiefen Abgrund stehen. Statt des versprochenen Rundwegs wird es ein Rückweg, was die Laune der Kinder nicht unbedingt hebt. Später erfahren wir, dass übereinander getürmte kleine Steine fallweise den Weg markieren – so etwas Futuristisches wie Tafeln und Farbmarkierungen kommt den Amerikanern offensichtlich weder in den Sinn noch in den Park.

Nach etwa zweieinhalb Stunden Auf- und Abwanderei in praller Sonne sind die Kinder an ihrer Leistungs- und unsere Haut stellenweise jenseits der Sonnenbrandgrenze. Für den Rest des Nationalparks geben die Kinder daher die Regel vor: Nicht weiter als 10 Minuten vom Auto entfernen. Wir halten uns daran und der eigene Kreislauf applaudiert still im Hintergrund. Der schönste Bogen – der „Delicate Arch“ wird daher nur mehr aus der Ferne betrachtet. Um 15.30 Uhr gönnen wir uns dann den zweiten Höhepunkt des Tages: Eine Dusche im Hotel und „a nice cup of tea“. Heilt laut Dr. Who angeblich fast alles – mal sehen, ob es auch gegen Sonnenbrand hilft.

Die Kinder erklären, sie seien für alles zu müde ausser dummes Zappen durch US-TV-Kanäle, doch um 19.00 Uhr können wir sie zur Suche nach einem Diner motivieren.

22.00 Uhr Aarchway Inn Moab

Tatsächlich – wir finden Moab Diner an der Hauptstrasse und es fehlen fast nur die Uniformen (hier sind es T-Shirts), um wie das Diner in Twin Peaks zu wirken. Wir essen ebenso raffiniert konzipierte wie titulierte Gerichte namens „Chicken Fried Chicken“ oder „Chicken Fried Steak“ und kämpfen uns durch die Fragenliste: Soup or salad / Which dressing / Do you want gravy / White or brown gravy / What kinda potatoes? Da ist ja Starbucks noch einfacher im Vergleich.

Beim Salat begehe ich den Fehler und bestelle „French Dressing“ ohne nachzufragen. Klingt für mich nach Vinaigrette und etwas Knoblauch, besteht aber hauptsächlich (oder gänzlich?) aus Tomatenketchup ! Wenn Sarkozy das erfährt, schickt er die Fremdenlegion, und das völlig zurecht. Und jeder Völkerrechtler, dessen Geschmacksknospen noch intakt sind, wird ihm in Folge Recht geben. Doch wir sind entzückt über die Athmosphäre, überstehen hoffentlich die Klimaanlage ohne Lungenentzündung und können am Ende sogar alles in allem sagen: Es hat geschmeckt.

Die Rechnung liegt schön amerikanisch schon am Tisch, als zwei von uns noch essen. Der Nächste bitte, denn es muss Umsatz gemacht werden in God´s own Country. Nur nicht beim Alkohol, denn das Bier versuchen wir vergeblich zu bestellen.

Dienstag, 3. August 2010

Auf dem Weg nach Moab (10)




Fotos von oben nach unten: (1) Picknick über dem Needles_Nationalpark, (2) The Needles im Detail

8.7. 2010, 22 Uhr Moab, Aarchway Inn, Utah

Ein guter Tag beginnt mit einer guten Nacht. Auch wenn der Wind durch die Holzhütte gezogen hat und keine Klimaanlage vorhanden war (die Lodges liegen auf 2200 Meter Höhe), ich habe bis 7.00 Uhr geschlafen. Die Sonne scheint und ich kann mich mit einem Buch auf die Terrasse setzen. Direkt wie im Urlaub.

Das Frühstück ist dann ebenso wie das Abendessen am Tag zuvor das Resultat einer Monopolstellung im Nationalpark. Sauteuer, aber dafür eher schlecht. Gestern habe ich meine mit eingelegten Kirschen gequälten Penne nur zur Hälfte gegessen; heute verweigern die Kinder den Kaffee, obwohl Starbucks am Becher steht. Der Abschied fällt uns diesmal leicht.

Es geht zuerst zurück nach Cortez (Besuch bei Wal-Mart, denn irgendwo muss man ja Geld sparen) und dann haben wir relativ viel Zeit für den Weg nach Moab. Deswegen zweigen wir etwa 30 Meilen vorher zum Needles Overview ab, wo wir das Picknick vor einer grossartigen Canyon-Kulisse einnehmen können. Die Needles – kleine Sandsteinsäulen – fallen einem gar nicht auf, da ein 180-Grad-Canyon-Panorama viel spektakulärer wirkt. Auch wenn es kurz vorher geregnet hat (ja, unsere Anwesenheit wirkt), hier scheint wieder grossteils die Sonne und der Sandstein leuchtet. Auch hier sich hat der Colorado gemeinsam mit einem zweiten Fluss spektakulär in die Landschaft geschnitten, aber für diesen Anblick interessieren sich nur mehr zwei weitere Autoladungen und nicht Tausende. Was wiederum unser Picknick noch reizvoller macht.

Bei der Rückfahrt begehen wir den Fehler, dem Navigationsgerät entgegen dem Instinkt zu vertrauen und landen auf einer 15 Meilen langen Sand- und Felspiste. Zwei grosse Monolithen – einer namens Looking Glass sogar mit Loch – leisten ein wenig Wiedergutmachung.

Das Aarchway Inn liegt dann schon fast ausserhalb von Moab, ist aber mit Mikrowelle und Kühlschrank ausgestattet und so gustieren wir im City Market. Frische Knuspersticks, BBQ-Rippen, Burritos, frische Pizza-Taschen, Salate sowie Chocolate-Cookie-Eis und Zitronensorbet bilden so das Abendessen, nur das Weinregal suchen wir im Mormonenstaat Utah vergebens. Eine Flasche Miller Bier in der handlichen 0,95 Liter-Flasche ist zumindest verfügbar. Gesättigt ziehen wir uns aus dem zweiten Zimmer zurück und überlassen die Kinder den 72 TV-Kanälen. Gestern in der Lodge waren sie ja auf Entzug. Aber die restliche Eiscreme nehmen wir doch mit uns und stellen sie kalt – sonst wird das noch zu amerikanisch im Nebenzimmer.

Montag, 2. August 2010

Von Kayenta zum Mesa Verde National Park (9)



Foto: Reste eines Anasazi-Baus

7.7. 2010, 18.30 Uhr Far View Lodge Mesa Verde National Park

Ein Tag ohne Höhepunkte. Die Familie schläft dank Zeitumstellung bis nach neun Uhr. Offensichtlich bin ich der einzige, der vom Jet Lag verfolgt wird. Frühstück im Holiday Inn Kayenta gibt es nur bis 10.00 Uhr und wir schaffen es 12 Minuten vorher hin, um zu erfahren, dass das Buffet bereits abgeräumt wurde. Leicht frustriert vom sonst nicht verspürten Arbeitseifer der Navajos kochen wir im Zimmer Tee (Wasserkocher/Kaffeemaschinen sind in britischer Tradition auf allen Zimmern) und essen übrige Walmart-Donuts.

Dann geht es von Arizona nach Colorado und abermals ist fast die komplette Strecke unbesiedelt. Das hat seit dem zweiten Tag den Vorteil eines sehr entspannten Fahrens, da wenig Verkehr ist und die Strassen oft kilometerlang gerade verlaufen. Heute begleitet uns Tom Petty, gestern in der Western-Kulisse von Monument Valley musste es natürlich Johnny Cash sein. Die grösste Schwierigkeit auf dieser Strecke ist das Problem des Navigationsgerätes, das vor und im Nationalpark Mesa Verde etliche Fehlermeldungen produziert, bis wir es abschalten.

Ausserdem lernen wir das umfangreiche Baustellenprogramm in den Nationalparks kennen, das uns noch länger begleiten sollte. Höhepunkt ist die Schliessung einer Fahrspur über eine längere Strecke mit aufwendigen Prozeduren inkl. Pilotfahrzeug (damit sich niemand verirrt?), was Wartezeiten bis zu 30 Minuten generiert, bis die Ampel wieder grün wird.

In der einzigen Stadt am Weg – Cortez – bekommen die Kinder einen der versprochenen Gefallen eingelöst und wir essen Drive-Thru. Die Einschätzungen, ob Wendy´s nun besser oder schlechter als McDonalds ist, stehen mit den Generationen 2:2. Zuviel ist es jedenfalls für alle und das kleine Diet Coke enthält 0,62 Liter. Dann gibt es noch das mittlere und das grosse.

Die Far View Lodge – unser Hotel für heute – befindet sich direkt im Mesa Verde National Park ( http://www.mesa.verde.national-park.com ) nahe beim Visitor´s Center. Es sind hübsche Reihenhäuser aus Holz mit eigenem Balkon, aber ohne allzu viel Komfort. Gerade heute würden wir uns ein TV-Gerät wünschen, aber wir erfahren wenigstens an der Bar, dass Spanien Deutschland mit 1:0 besiegt hat. Viva Espana! Unsere Laune wird deutlich besser, obwohl wir gerade vorher der Wüste leichten Regen gebracht haben. Unsere unfreiwillige Regenmacher-Magie funktioniert also auch in der Neuen Welt.

Die alten Anasazi-Indianer-Behausungen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert, die das besondere an diesem Park sind, wirken für uns nur mässig interessant und so sind wir in zwei Stunden durch. Dafür bemerken wir abermals, wie offen die Amerikaner oberflächlichen Kontakt aufnehmen. In den etwa 60 Minuten an Besichtigung sprechen wir mit etwa 10 Personen über deutsche Vorfahren, Waldbrände auf der Hochebene, die Zeit in der Army oder die (angebliche) Beschwerlichkeit des Weges. Drei Minuten etwas stärkere Steigung am Weg sind für viele übergewichtige Amerikaner offensichtlich bereits ein grösseres Problem und sie wollen sich absichern, ob sie auch den Rückweg schaffen können. Kleinere Cola-Becher oder weniger oft zu McDonalds könnte mittelfristig auch ein Rezept sein.